Russischer Alltag

Eine Gruppe aus fünf Personen hat bereits am 13. Oktober das Gebäude des russischen Sicherheitsdienstes FSB in Moskau mit Eiern beworfen.

Durch das Wachpersonal konnten zwei Personen festgenommen werden. Es handelt sich um einen Bürger aus Kasachstan und um einen Jugendlichen. Beiden droht nun ein Verwaltungsverfahren wegen Vandalismus. Bereits im März hatte ein Rentner versucht, den Eingang des russischen FSB mit einer Flüssigkeit in Brand zu setzen. Er begründete seine Handlung als Zeichen des Protestes gegen die Politik Russlands.

Das russische Gesundheitsministerium hat vorgeschlagen, die Zigarettenschachteln zu anonymisieren. Mit diesem Vorschlag wird die Kampagne gegen den Zigarettenmissbrauch weiter fortgesetzt. Wird dieser Vorschlag umgesetzt, wird nicht mehr ersichtlich sein, wer der Hersteller der Zigaretten ist. Die Bezeichnung der Zigaretten soll in einem einheitlichen Schrifttyp erfolgen. Um diesen Vorschlag umzusetzen, muss die Gesetzgebung der Eurasischen Wirtschaftsunion geändert werden. Die Anti-Tabak-Kampagne hat in Russland bereits sichtbare Resultate gebracht. Der Tabakkonsum ist in den letzten vier Jahren um 20 Prozent rückläufig.

Die russische Staatsduma hat in dritter Lesung eine Gesetzesergänzung angenommen, welche verbietet, Reklame für die Anfertigung von Diplomarbeiten und anderen wissenschaftlichen Arbeiten durch Dritte zu machen. Entsprechende gesetzliche Regelungen wurden im Gesetz „Über Reklame“ nun eingearbeitet. Mit dieser Regelung hofft man, zumindest einen kleinen Einfluss auf den wissenschaftlichen Betrug nehmen zu können, welcher in Russland stark verbreitet ist.

Russland hat sich von weiteren US-Obligationen getrennt und hält somit nur noch US-Schulden im Umfang von rund 14 Mrd. USD in Händen. Alleine im August trennte man sich von Obligationen im Umfang von 900 Mio. USD. Die höchsten Investitionen in US-Obligationen tätigte Russland im Februar 2013 – insgesamt 164,3 Mrd. USD. Nun scheint es so, dass sich Russland vermutlich von allen US-Obligationen trennen wird. Ein weiterer Schritt, um sich aus den Abhängigkeiten von US-Sanktionen zu lösen, ist die Ent-Dollarisierung der russischen Wirtschaft, die gegenwärtig organisiert wird.

Sieben von zehn Kindern in Russland leiden an Fettleibigkeit oder haben zumindest Übergewicht. Im Jahre 1980 zeigte nur ein Kind von zehn diese Symptome. Ein Grund für diese Entwicklung scheinen falsche medizinische Empfehlungen in der Schwangerschaftsperiode zu sein, wo Ärzte empfehlen, zur Vermeidung von Allergien, auf bestimmte Diäten zu wechseln.

Russische Privatpersonen haben eine Vorliebe für Privatinsolvenzen entwickelt, um sich von ihrem angehäuften Schuldenberg zu trennen. In den ersten neun Monaten des aktuellen Jahres ist die Zahl der Privatinsolvenzen um 50 Prozent gestiegen. Insgesamt erklärten 30.400 Personen sich für zahlungsunfähig. Seit Inkrafttreten des Gesetzes über Privatinsolvenzen nutzten 80.600 Personen diese Möglichkeit, um sich von ihren Schulden zu trennen. Das Nationale Vereinte Kreditbüro Russlands geht davon aus, dass 739.000 Russen von Privatinsolvenz bedroht sind. Die mittlere Kreditbelastung eines russischen Kreditnehmers liegt bei 1,66 Mio. Rubel.

Nach dem Massenmord in Kertsch denkt der russische Gesetzgeber über eine Verschärfung der Waffengesetze nach. So soll das Mindestalter für den Erwerb einer Waffe von 18 Jahre auf 22 Jahre angehoben werden. Weiterhin fordern die Initiatoren für eine Verschärfung der Waffengesetze die Blockierung von Internetseiten, die zu Gewalttaten aufrufen. Am 17. Oktober hatte ein 18jähriger Schüler im russischen Kertsch 21 seiner Mitschüler ermordet und 74 weitere Personen teilweise schwer verletzt. Der Verbrecher hatte im September das 18. Lebensjahr vollendet und unmittelbar danach die Waffenlizenz erhalten. Der Kreml reagierte im Verlaufe der Woche mit Verständnis für diese Forderungen. Allerdings sind Gesetzesänderungen, unter emotionalem Einfluss, nicht die richtige Lösung. Man werde die Situation genau analysieren und die notwendigen Entscheidungen treffen.

Ein seltener Fall von Zwangsräumung geschah in St. Petersburg. Eine Familie wohnte in einem Zimmer in einem Wohnheim und wurde dort zwangsberäumt. Allerdings stand die Familie danach nicht auf der Straße, sondern ihr wurde eine vollwertige Wohnung zugewiesen, in die sie nicht einziehen wollten. Wie die Gerichtsvollzieher informierten, bewohnte die Familie das Zimmer im Wohnheim ungesetzlich. Die Stadtverwaltung hatte der Familie eine Zwei-Raum-Wohnung zur Verfügung gestellt. Dorthin siedelten aber nur die volljährigen Kinder um und die Eltern verblieben im Wohnheim. Grund hierfür war, dass die neue Wohnung zu weit entfernt vom Arbeitsplatz war. Durch Gerichtsurteil wurde festgestellt, dass sich das Ehepaar ungesetzlich verhält und es gab einen Richterspruch. Dieser wurde durch das Ehepaar ignoriert, so dass die Gerichtsvollzieher die Zwangsräumung vornahmen.

Die Leiterin der russischen Zentralbank Elvira Nabiullina hat dazu aufgerufen, endlich auch die Sklaverei der russischen Banken zu beenden. Sie versteht darunter, dass die Banken alles tun, um einen Kunden ewig an sich zu binden, ihm einen Wechsel zu anderen Banken zu erschweren und damit verhindern, dass der russische Verbraucher über Geldanlagen mehr Geld verdient. Sie meinte damit wohl in erster Linie die Unsitte, dass der Arbeitgeber festlegt, auf welche Bank das Gehalt überwiesen wird. Aber nicht alle Banken bieten das volle Spektrum moderner Dienstleistungen, so dass eine Reihe von Bankkunden keine online-Zahlungen oder mobiles Banking vornehmen können. Sie erinnerte daran, dass Russland erfolgreich gegen die Telefon-Sklaverei vorgegangen ist und der Kunde bei einem Wechsel des Anbieters nun auch problemlos seine Nummer mitnehmen kann. Auch im Bankenwesen muss die Sklaverei beendet werden.

Die Agentur „Bloomberg“ informiert, dass russische Milliardäre schneller reicher werden, als andere Milliardäre dieser Welt. Die reichsten Russen haben es geschafft, ihr Vermögen im Jahre 2018 im Durschnitt um 10,8 Prozent zu vergrößern. Das ist das größte Tempo weltweit. Betroffen von dieser Entwicklung sind dutzende von Milliardären in Russland. Namentlich genannt werden Leonid Michelson, Gennadi Timschenko und Wagit Alekperow. Die US-Milliardäre befinden sich im Reichtumszuwachs erst an zweiter und die Briten an dritter Stelle.

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