Schubhäftlinge legten Brand in Zelle

Sechs Schubhäftlinge haben am Freitagabend in einer Zelle des Polizeianhaltezentrums (PAZ) in der Josefstadt ein Feuer gelegt.

Zwei von ihnen standen kurz vor der Abschiebung. Die Männer befinden sich nicht in Lebensgefahr.

Die Männer – fünf Afghanen und ein Iraner – unterzeichneten einen Brief, in dem sie auf ihre Perspektivlosigkeit hinweisen. In dem auf Deutsch verfassten Schreiben ist von Unzufriedenheit mit dem System, mit den Lebensumständen in Österreich und von der bevorstehenden Abschiebung die Rede. Das stark angesengte Schriftstück – ein Zettel im DIN-A5-Format – legte laut Polizei die Vermutung nahe, dass die fünf Männer Suizid begehen wollten. Doch nach weiteren Ermittlungen gebe es Zweifel an dieser Version, erklärte Polizeisprecher Harald Sörös gegenüber Radio Wien.
Matratzen und Bettwäsche angezündet

Die Insassen hatten die Zelltür zwar mit einem Spind verbarrikadiert, ließen es aber laut Polizei sofort zu, dass die Tür der Zelle geöffnet wurde. Laut Sörös hatten sich die Männer im „Nassraum“ mit nassen Handtüchern vor dem Feuer zu schützen versucht. Bei dem Raum handelt es sich um einen an die Zelle angeschlossenen Extraraum mit eigener Tür.

Sörös zufolge ergaben die Ermittlungen, dass die Männer zunächst Matratzen und Bettwäsche angezündet hätten und dann in den Waschraum gegangen seien. Sie hätten nasse Fetzen vor die verschlossene Tür gelegt. Damit hätten sie vermutlich verhindern wollen, dass Rauchgase in den Nassraum eindrangen. Weil der Stoff die Nasszelle nicht wirklich abdichtete, lief laut Sörös einer der Schubhäftlinge zur Tür, um Hilfe zu holen. Das dürfte jener Insasse gewesen sein, den die Polizisten hinter der Zellentür liegend gefunden und geborgen hatten. Die Ermittler halten es nun für wahrscheinlich, dass die Schubhäftlinge ein Zeichen setzen wollten, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
Zwei Abschiebetermine fixiert

Der Abschiebetermin war laut Sörös für zwei der Schubhäftlinge fixiert. Bei den anderen vier Männern habe es noch keinen konkreten Termin gegeben. Sörös gab auch Details zu den Insassen bekannt. Ein 19-Jähriger aus Afghanistan sei zuvor in Hungerstreik getreten. Er habe sich seit 3. August in Schubhaft befunden, habe aber noch keinen Termin für seine Abschiebung gehabt. Er sei am schwersten verletzt worden: Neben einem Inhalationstrauma habe er Verbrennungen von zehn Prozent der Hautoberfläche erlitten.

Der jüngste Insasse sei ein 18-jähriger Afghane, der seit 23. Juli in Schubhaft gesessen sei. Er sollte am Montag abgeschoben werden. Der junge Mann habe ebenfalls ein Inhalationstrauma erlitten. Einen konkreten Abschiebungstermin habe ein 30-jähriger Mann aus dem Iran gehabt: Er sollte am Mittwoch außer Landes gebracht werden und habe sich seit 6. September in Schubhaft befunden.

Sein Gesundheitszustand sei am Tag nach dem Feuer ebenso wie der der drei übrigen Insassen stabil, so Sörös. Es handle sich um Afghanen im Alter von 22, 31 und 33 Jahren. Der 31-Jährige sei seit 24. Juli in Schubhaft gesessen, der 22-Jährige seit 14. und der 33-Jährige seit 29. August. Alle drei hätten noch keinen Termin für die Abschiebung.
Raucher- und Nichtraucherzellen

Die Möglichkeit, Feuer zu machen, stelle im Polizeianhaltezentrum grundsätzlich kein großes Problem dar. „Es gibt grundsätzlich zwischen 8.00 und 17.00 Uhr einen offenen Vollzug“, erläuterte Sörös. Die Häftlinge könnten sich in diesem Zeitraum in dem jeweiligen Block frei bewegen. „Es ist ja kein Strafvollzug, sondern die Schubhaft dient ausschließlich der Verfahrenssicherung“, sagte der Polizeisprecher. Es gebe außerdem Raucher- und Nichtraucherzellen, in die jeder zu den angegebenen Zeiten hineingehen könne. Daher falle auch der Zugang zu Feuerzeugen oder Zündhölzern nicht schwer.
In verschiedenen Krankenhäusern

Die Männer waren zunächst schwer verletzt in verschiedene Krankenhäuser gebracht worden, zwei mussten künstlich beatmet werden. Samstagvormittag gab es aus den drei Wiener Krankenhäusern, in die die Schwerverletzten gebracht worden waren, Entwarnung: Alle sechs befanden sich nicht mehr in Lebensgefahr.

Wegen der starken Rauchentwicklung im Polizeihanhaltezentrum wurden 39 weitere Häftlinge in andere Stockwerke und in den Innenhof gebracht. Bei 14 von ihnen bestand zunächst der Verdacht auf Rauchgasvergiftung. Nach Angaben der Polizei erlitten auch drei Beamte eine leichte Rauchgasvergiftung. Der innere Gürtel war einige Zeit für den Verkehr gesperrt. Zahlreiche Wagen von Polizei und Rettung blockierten die Fahrbahn. Erst nach Mitternacht war die Strecke wieder passierbar.
Kickl will Sicherheitsmaßnahmen überprüfen lassen

„Ich nehme diesen Vorfall zum Anlass, die Sicherheitsmaßnahmen in den Polizeianhaltezentren einer Überprüfung zu unterziehen, um das Brandrisiko in den Polizeianhaltezentren zu minimieren“, kündigte Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) an. Und weiter: „Ich wünsche allen Opfern eine rasche und vollständige Genesung. Mein besonderer Dank gilt den Einsatzkräften der Polizei, der Feuerwehr und der Rettung, die durch ihr entschlossenes Eingreifen noch Schlimmeres verhindert haben.“

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