Statt Versöhnung: Polen fordert wieder Reparationen

Fehlende Gegenrechnung

Polens Premierminister kündigt „ersten Schritt zur Wiedergutmachung durch Deutschland an“

Am Donnerstag, den 1. September, legten die zentralen polnischen Behörden und Vertreter von Recht und Justiz im Königsschloss in Warschau einen Bericht über die Verluste vor, die Polen durch die deutsche Besatzung erlitten hat.
Diesem Dokument zufolge beläuft sich die Summe der polnischen Verluste auf mehr als 1,3 Billionen Euro.
Vermutet wird, daß die regierende PiS-Partei damit populistisch bei den Wählern punkten will.

Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat dabei angekündigt, dass die polnischen Behörden Deutschland in Kürze eine diplomatische Note zu den Kriegsreparationen zukommen lassen werden.
Sie werde durch gründliche Analysen gestützt werden, „die unsere Beweggründe unter anderem aus historischer und rechtlicher Sicht aufzeigen“, kündigte der polnische Regierungschef am Montag, den 5. September, an.

Der Premierminister wurde während eines Pressegesprächs von einem „Welt“-Journalisten nach den Reparationszahlungen Deutschlands gefragt.
Der Reporter fragte, ob wir in naher Zukunft eine diplomatische Note an Berlin erwarten könnten.
„Ja, Sir. Wir können in naher Zukunft mit einer diplomatischen Note rechnen. Eine diplomatische Note, die sich auf sehr gründliche Analysen stützen wird, auf Materialien, die nicht nur unsere moralischen und historischen, sondern auch unsere politischen und rechtlichen Gründe aufzeigen“, kündigte Mateusz Morawiecki an.

Der Kolumnist Philipp Fritz schrieb in der jüngsten Ausgabe der Tageszeitung „Welt“, dass „der Versuch der Wiedergutmachung aus moralischer Sicht ratsam ist und nicht abgelehnt werden sollte“.
Gleichzeitig erinnerte er daran, dass Polen während des Zweiten Weltkriegs von „zwei totalitären Nachbarn“, Nazideutschland und der Sowjetunion, angegriffen wurde, Reparationen aber bisher nur von Berlin gefordert wurden.

Die deutsche Regierung reagierte unterdessen auf das Thema der Reparationen.
In einem Reuters zugesandten Positionspapier betonte ein Sprecher des Außenministeriums, dass Deutschland zwar die politische und moralische Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg trage, die Angelegenheit aber abgeschlossen sei.
Polen habe bereits 1953 auf weitere Reparationen verzichtet und diesen Verzicht mehrfach bestätigt.
Dies sei die Grundlage der derzeitigen europäischen Ordnung.

Fehlende Gegenrechnung

Am Montag, den 5. September, schrieb die zweitgrößte seriöse überregionale Tageszeitung in Polen, „Rzeczpospolita“, unter Berufung auf ihre Quellen in der deutschen Regierung, Deutschland sei bereit, unter anderem zum Wiederaufbau der Paläste Saski und Brühl beizutragen.
Neben der Unterdrückung der Vorgeschichte zum 2. Weltkrieg, zu der auch die Vorgänge in Danzig und die polnische Mobilmachung gehören, wird bisher in offiziellen Verlautbarungen weder darauf hingewiesen, daß erst der Hitler-Stalin-Pakt den Ausbruch des Krieges ermöglicht hat, noch auch gegen die damals mit Deutschland verbündete russische Sowjetunion Reparationen gefordert werden.
Gleich garnicht wird von deutscher Seite der Gegenwert für die von Polen völkerrechtswidrig annektierten Ostgebiete samt privatem und öffentlichem Eigentum eingefordert nebst Verschweigen der menschlichen Verluste durch die von Polen begangenen Vertreibungsverbrechen.
Erstaunlich ruhig verhalten sich nebst dem Bund der Vertriebenen bislang auch alle im Bundestag vertretenen Parteien.
Im Übrigen sei der Hinweis erlaubt, daß der 2+4-Vertrag unter Beteiligung des Außenministers der Republik Polen bei den Beratungen zustande gekommen ist.
Reparationsforderungen Polens wurden dabei nicht gestellt, wohl aber die Nachkriegsgrenzen bestätigt.

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